Interview mit Jens Jürgen Korff über die Aussagefähigkeit von Statistiken und ihre politische Funktion .
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Aber die Krankenkassen haben doch tatsächlich ein Finanzierungsproblem – oder nicht?
Jens Jürgen Korff: Das haben sie, in der Tat. Doch jede Finanzierung hat zwei Seiten: die Einnahmen und die Ausgaben. Bei den Krankenkassen sind es vor allem die Einnahmen, also die Beiträge der gesetzlich versicherten Beschäftigten, die Probleme machen, weil sie schon seit vielen Jahren langsamer steigen als die Ausgaben und langsamer als das Bruttoinlandsprodukt. Dieser Aspekt wird uns meist verschwiegen; ein typischer Fall von Yang ohne Yin. Ursache dafür sind unter anderem die hohe Arbeitslosigkeit und die Niedriglöhne vieler Beschäftigter.
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Siemens Generaldirektor Wolfgang Hesoun spricht mit dem Standard über sein Verhältnis zur Arbeit, seinen Führungsstil und seine Haltung zu Frauenquoten.
STANDARD: Wie haben Sie sich auf Ihren neuen Job vorbereitet?
Hesoun: Ich habe mich in die wichtigsten Hauptthemen eingelesen. Was mir sehr entgegenkommt, ist, dass mich das breite Portfolio von Siemens sehr interessiert. Ich bin natürlich kein Spezialist, aber ein sehr interessierter Techniker, deshalb bin ich hier bestens aufgehoben. Und was auf einen zukommt, das weiß man nie. Aber wenn man nicht der Überzeugung ist, dass man es packen wird, sollte man es gleich sein lassen. Ich habe auch von Anfang an meine Ansprüche nicht zu hoch geschraubt, das macht keinen Sinn.
Und nach der tolle Aussage von Brigitte Ederer vorige Woche, setzt Hesoun noch eins drauf:
STANDARD: Was halten Sie von Frauenquoten in Aufsichtsräten?
Hesoun: Ich kann verstehen, dass der Frauenministerin die Quote in staatsnahen Betrieben ein Anliegen war. Ohne Druck passiert nichts. Ich glaube nur, dass es wenig Sinn macht, dort Druck zu machen, wo rein die Qualifikation im Vordergrund stehen sollte. Es gibt nur sehr wenige Damen, die Technik studieren. Dazu kommt die unumgängliche Tatsache, dass es immer noch die Frauen sind, die Kinder kriegen und damit ihre Karriere zumindest unterbrechen müssen. Unter solch schwierigen Bedingungen kann man nicht erwarten, dass wir in absehbarer Zeit gleich viele Frauen wie Männer in Führungspositionen haben werden. Ich glaube, die Qualifikation sollte entscheidend sein. Wenn eine Frau besser ist als ein Mann, entscheide ich mich in der Sekunde für sie. Und: Frauen müssen gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen.
Also Mädels, strengt euch an! Werdet Technikerinnen, kriegt keine Kinder und wenn ihr dann auch noch besser seid als die Männer, nimmt euch Hesoun sofort.
In der Diskussion um eine Frauenquote hat sich Siemens-Personalchefin Brigitte Ederer erneut klar gegen starre Vorgaben ausgesprochen: „Wir sind gegen eine gesetzliche Quote.“
„Eine heute 30-Jährige Frau hat nichts davon, wenn es eine Quote im Aufsichtsrat gibt.“ Ihr helfe man mit Förderprogrammen im Unternehmen, um ihr die nächsten Schritte zu ermöglichen.
Wieso wundere ich mich das nicht? Dazu sage ich:
1. Wo bleiben diese Frauenförderprogramme? Jahrelang war sie öberste Chefin der Siemens Österreich und hat zu dem Thema nichts gemacht.
2. Wenn es eine Quote gäbe, müssten Firmen jetzt Frauenförderprogramme aufsetzen, damit die “heute 30-jährige Frau” auf ihr Platz im Aufsichtrat vorbereitet ist.
Peter Löscher kann sich vor Lachen kaum halten. Der kleine Film, den Eric Spiegel mitgebracht hat, ist der Höhepunkt beim Treffen der 600 führenden Siemens-Manager im Oktober in Berlin. Mit einem Mikrofon ist Spiegel durch Las Vegas gelaufen und hat Passanten angesprochen: “Guten Tag, ich bin der Chef von Siemens in Amerika. Kennen Sie unsere Firma?” Siemens würde Möbel produzieren, glaubt einer. “Nie gehört”, sagen andere. Und der Erste, der mit dem Namen etwas anfangen kann, ist ein Tourist aus Skandinavien.
Siemens ist weitgehend unbekannt in den U.S.A, obwohl Siemens schon seit 1854 auf dem U.S.-amerikanischen Markt ist, dort mehr über 100 Werke betreibt und 62.000 Mitarbeiter beschäftigt.
Was das für Siemens U.S.A. bedeutet und was sie dagegen macht, könnt ihr beim FTD lesen.
Trotz konsequenten Schweigens des Siemens-Vorstands steht die Frage seit Tagen im Fokus der Medien: Setzt Siemens seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Kernkraft wie beabsichtigt fort, oder zeichnet sich ein Umdenken ab?
Siemens CFO Joe Kaeser meint, die Bestandsaufnahme müsse
“sachlich fundiert und überparteilich sein”, und: “Deutschland wäre nicht geholfen, wenn hier eine Insellösung verfolgt würde, aber zum Beispiel in Frankreich und Tschechien alles bleibt, wie es ist.” Damit ist auch schon “alles gesagt, was es im Moment zu sagen gibt”
Das Geschäft mit der Telekommunikation war Siemens’ ganzer Stolz. Es versank im Elend. Nun nimmt der Konzern noch mal Anlauf, macht die Rettung der Netzwerktochter zur Chefsache. Es geht um Milliarden. Und den Ruf.
Als Siemens und Nokia ihre Telefonnetzwerksparten zusammenlegten, diskutierte das Topmanagement über die künftige gemeinsame Kultur. Welche Werte bringt Nokia ein, welche Siemens? Die Diskussion verdichtete ein Soziologe in zwei Zeichnungen. Das Nokia-Bild zeigt Schwärme blau-grüner Fische, die dynamisch und spielerisch durch das sonnendurchflutete Wasser gleiten. Siemens dagegen erscheint als grauer Supertanker – riesig, hierarchisch, aber gut koordiniert.
Unterschiedlicher konnten die Firmenwelten kaum sein, die damals, 2007, aufeinanderprallten. Daraus sollte eine Kultur gebaut werden, die an allen Standorten in 150 Ländern gelebt wird.
Das Wissen über die Atomenergie war in der Kraftwerksparte von Siemens einzigartig, aber politisch wertlos. Denn der Konzern hatte mit einigen Problemen zu kämpfen. Nun, nach Fukushima, könnte Siemens endgültig aussteigen.
“Zunächst habe ich nicht einmal gewusst, was das Kürzel bedeutet“, erinnert sich der ehemalige Siemens-Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer in seiner Autobiographie. Dabei sollte das Kürzel später sein Berufsleben bestimmen – und zu einem der wichtigsten Standbeine von Siemens überhaupt werden. Das Kürzel, um das es geht, lautet KWU. Es stand für „Kraftwerk Union“.
Mit dem Unternehmen verband sich die Hoffnung auf eine glänzende Zukunft der Energieerzeugung im allgemeinen und der friedlichen Nutzung der Atomenergie im besonderen. Es war erst kurz vor Pierers Eintritt in den Siemens-Konzern im Jahr 1969 entstanden, als Zusammenschluss der Kraftwerksbereiche von Siemens und AEG. Bis dahin hatte AEG, basierend auf der Technik des amerikanischen Konzerns General Electric, Siedewasserreaktoren und Siemens, ursprünglich in Lizenz des ebenfalls amerikanischen Konzerns Westinghouse, Druckwasserreaktoren gebaut. Danach sollten das Unternehmen und seine Nachfolger beide Technologien im Angebot haben – bis zum heutigen Tag.
Klar ist laut einer DIW-Studie aus dem Jahr 2007, wer die meisten staatlichen Förderungen absahnt: Der Bund gab zwischen 1974 und 2006 für nukleare Energieforschung und -technologie rund 24 Mrd. Euro aus (real, d.h. Angaben in Preisen von 2006), für erneuerbare Energien und rationelle Energieverwendung nur rund sechs Mrd. Euro. Zwischen 1956 und 2006 lag die Bundesförderung der Atomforschung (ohne Bundesländer) bei etwa 40 Mrd. Euro. (ung, Reuters, DER STANDARD, Printausgabe, 6.4.2011)
Das schlägt ja wirklich alles! Die Anwälte der Ehrlichen und Tüchtigen schreckten ja vor gar nichts zurück!
Die Lobbyisten- und Provisionen-Affäre um die österreichischen staatsnahen Betriebe Telekom Austria (A1TA), ÖBB und Buwog zieht weitere Kreise. Der ehemalige Lobbyist und PR-Berater Peter Hochegger hat demnach nicht nur von der A1TA Millionen kassiert, sondern auch von einem wichtigen Lieferanten des Netzbetreibers, dem chinesischen Konzern Huawei. In den Jahren 2007 bis 2009 erhielt Hochegger angeblich 10 Prozent Provision, wenn A1TA bei Huawei einkaufte. Die Geldflüsse aus Hongkong hat die Zeitschrift Format aufgedeckt.
Hochegger hat laut Bericht als “PR-Berater” und Lobbyist von der teilstaatlichen A1TA in wenigen Jahren mindestens 25 Millionen Euro erhalten, von denen er zumindest einen kleinen Teil an Politiker weiterreichte. Zudem soll sich Hochegger 2007 gegenüber Huawei dazu verpflichtet haben, dafür zu sorgen, dass die Chinesen in zwei Jahren in Österreich mindestens 60 Millionen Euro umsetzen. Tatsächlich gelang es Huawei, A1TA-Lieferanten wie Ericsson und Nokia Siemens Networks zu verdrängen. Der österreichische Netzbetreiber soll mehr als das Doppelte der von Hochegger versprochenen 60 Millionen Euro an Huawei überwiesen haben; Formatspricht von “weit über 130 Millionen Euro”. Ob und welche Ausgaben Hochegger dafür getätigt hat, ist nicht bekannt.
Die A1TA will nun alle bisherigen Geschäfte mit Huawei unter die Lupe nehmen und gegebenenfalls die Staatsanwaltschaft informieren. Es erscheint möglich, dass sich das österreichische Bundesamt für Korruptionsprävention und Korruptionsbekämpfung einschaltet. Bei den zwei ehemaligen A1TA-Managern Rudolf Fischer und Gernot Schieszler fanden kürzlich Hausdurchsuchungen statt, berichtetFormat. Sie sollen Insgesamt 9,08 Millionen Euro gemeinsam mit einem dritten A1TA-Mitarbeiter aus der Konzernkasse an die Valora AG geleitet haben, eine Firma aus dem Geflecht um Hochegger, den ehemaligen Generalsekretär der FPÖ, Walter Meischberger, und Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (FPÖ, dann der ÖVP nahe). Die A1TA soll dafür keine dokumentierte Gegenleistung bekommen haben. Die A1TA fordert diesen Teil der an Hochegger bezahlten Summen zurück. (Daniel AJ Sokolov)
Die Infos kommen natürlich nicht aus Österreich, sondern von heise Deutschland.
Der Siemens-Konzern muss an die belgische Bahn SNCB eine Vertragsstrafe von 21,2 Millionen Euro zahlen. Das berichtete die belgische Nachrichtenagentur Belga. Grund sei die verspätete Lieferung von 120 Lokomotiven vom Typ Taurus Eurosprinter 3 (T18).
Arbeit hin oder her aber ein Lied aus meiner Jugend von Georges Moustaki hat mich dazu inspiriert im Internet zu recherchieren:
Le droit à la paresse (das Recht auf Faulheit)
Je voudrais rendre grâce a celui qui peut-être
Ich möchte gerne dem danken
A été mon premier et mon unique maître
der vielleicht mein erster und einziger Meister war
Un philosophe mort voici quelques décades
ein Philosoph, der vor einigen Jahrzehnten gestorben ist
Mort de son propre choix ni trop vieux ni malade
gestorben aus eigener Entscheidung, weder zu alt noch zu krank
Il n’était pas de ceux qui entre dans l’histoire
er war keiner, der in der Geschichte besonders auffiel
Nous sommes peu nombreux à servir sa mémoire
wir sind zu Wenige um seine Erinnerung zu bewahren
Il ne se posait pas en saint ou en prophète
er hat sich nicht als Heiliger oder Prophet aufgespielt
Mais cherchait avant nous le bonheur et la fête
aber er hat noch vor uns das Glück und das Fest gesucht
Il rêvait d’une vie que l’on prend par la taille
Er träumte von einem Leben das man umarmen kann
Sans avoir à la gagner comme une bataille
ohne es in einer Schlacht verdienen zu müssen
Nous disait que la terre était pleine de fruits
Er sagte uns, dass die Erde voll ist mit Früchten
Et de pain et d’amour et que c’était gratuit
und Brot und Liebe und dass alles gratis ist
Il parlait de ne plus jamais plier l’échine
Er sprach davon, nie mehr das Rückgrat zu verbiegen
Ni de se prosterner devant une machine
sich nie vor einer Maschine zu verbeugen
Il souhaitait pour les générations futures
er wünschte den zukünftigen Generationen
De ne souffrir jamais d’aucune courbature
niemals einen Muskelkater zu erleiden
Sans vouloir enseigner sa parole était claire
Ohne belehrend sein zu wollen, war seine Aussage ganz klar
En cela peut-être elle est révolutionnaire
darum ist sie vielleicht revolutionär
Je voudrais rendre grâce à ce maître en sagesse
ich möchte diesem weisen Meister danken
Qui ne nous arrivait ni d’Orient ni de Grèce
der nicht aus dem Orient kommt und nicht aus Griechenland
Je voudrais rendre grâce à ce maître en sagesse
Ich möchte diesem weisen Meister danken
Qui ne demandait que le droit à la paresse
Der nur das Recht auf Faulheit verlangte
Die Idee stammt von Paul Lafargue dem Schwiegersohn von Karl Marx. Auf solche Ideen kann man kommen, wenn man mit dem VATER der Arbeiterbewegung verwandt ist
Bei Siemens bröckeln alte Gewissheiten. Viele zweifeln nach der Katastrophe von Fukushima an der Kernkraft. Vorstandschef Löscher hat ein dickes Problem. Wird sich der Ex-Atomkonzern wandeln?
Für Mitarbeiter von Siemens sind es schwere Tage. Jeden Tag laufen im Fernsehen gespenstische Bilder aus Japan. Bilder, die das zerstörte Atomkraftwerk Fukushima zeigen. Bilder, die dokumentieren, wie radioaktiv verstrahltes Wasser ins Meer schießt. Und dann gehen die Siemensianer in ihre Büros – und wissen, dass es gerade der eigene Konzern ist, der im Atomgeschäft mitmischt und große Pläne verkündet hat.
Vor zwei Jahren lobte Vorstandschef Peter Löscher, 53, eine Partnerschaft mit der staatlichen russischen Atomfirma Rosatom aus. Sie sollte die Münchner beim Bau von Atomkraftwerken weit nach vorne bringen. Bis zu 400 Nuklearbetriebe mit 1000 Milliarden Euro Investitionsvolumen könnten bis 2030 weltweit entstehen, schätzte Löscher. Von erneuerbaren Energien über Kohle und Gas bis zur Atomkraft, überall wollte Siemens eine führende Rolle spielen.