NSN: Noch stärkerer Personalabbau?
Geschrieben von michimueller - 4. Februar 2012
Die Horrormeldungen der letzten Woche scheinen noch nicht genug zu sein. Die Geschäftsleitung scheint noch ein Schäuferl nachzulegen und den Druck auf die KollegInnen zu erhöhen. Auszüge aus deinem Bericht der F.A.Z. (Frankfurter Allgemeine Zeitung).
Die Sanierung der angeschlagenen Nokia Siemens Networks (NSN) wird in Deutschland voraussichtlich ein größeres Ausmaß annehmen als noch zur Wochenmitte angenommen. Nach Informationen der F.A.Z. könnte der angekündigte Abbau von 2900 Arbeitsplätzen noch höher ausfallen. Zusammen mit geplanten Veräußerungen von Randaktivitäten und der – wohl einkalkulierten – geringeren Akzeptanz von Umzugsangeboten könnten mehr als 4000 der 9100 Mitarbeiter betroffen sein.
Darauf lassen Aussagen und Andeutungen schließen, die von der Geschäftsführung des deutsch-finnischen Netzwerkausrüsters in den vergangenen Tagen gegenüber den Mitarbeitern gemacht worden sind. Im Blickpunkt steht dabei fast ausschließlich die Zentrale in München, die bis Ende dieses Jahres geschlossen werden soll. Wie zu hören ist, strebt das Management anscheinend an, die Zahl der Stellenstreichungen in München über die bislang angenommenen 2000 Arbeitsplätze hinaus zu erhöhen. Damit ist auch nicht auszuschließen, dass die verkündete Gesamtzahl von 2900 abzubauenden Stellen höher ausfallen könnte. Aus dem Umfeld des Unternehmens ist zu vernehmen, dass die Aussagen des hochdefizitären Gemeinschaftsunternehmens von Siemens und Nokia zum Teil widersprüchlich und diffus sind.
Offensichtlich wird schon am Ausverkauf der NSN gearbeitet:
NSN-Finanzvorstand Marco Schröter hatte am Dienstag betont, das Umzugsangebot an 1600 Mitarbeiter sei kein verdecktes Restrukturierungsprogramm. Um den Umfang des Stellenabbaus insgesamt abzuschätzen, muss zudem der Verkauf von Randaktivitäten berücksichtigt werden, der angeblich schon auf Hochtouren läuft. Allein mit der Abgabe des Breitbandgeschäfts fallen schon 300 Arbeitsplätze aus dem NSN-Verbund heraus. Es wird geschätzt, dass darüber hinaus eine hohe dreistellige Zahl von Arbeitsplätzen von den geplanten Verkäufen betroffen sein könnte, verbunden mit einer unsicheren Zukunft für die Beschäftigten.
“Sozialverträglichkeit eingespart”??
Olaf Horsthemke, Geschäftsführer von NSN Deutschland, soll in dieser Woche vor Mitarbeitern gesagt haben, „dass das Vorhaben ein massiver Eingriff in die Lebensplanung der Mitarbeiter“ sei. Entgegen sonstiger Gepflogenheiten in ähnlichen Situationen hat Horsthemke nicht aber von sozialverträglichen Lösungen gesprochen. Auch Finanzchef Schröter vermied in seinen Aussagen den Begriff der Sozialverträglichkeit. Eine Unternehmenssprecherin betonte jetzt jedoch, dass es auch NSN um sozialverträgliche Lösungen gehe. In den vergangenen beiden Tagen wurden in den Wirtschaftsausschüssen die Arbeitnehmervertreter zunächst über die Pläne informiert.
Hat der NSN-Standort Deutschland überhaupt noch Zukunft?
In Berlin und Bruchsal wird zwar noch produziert, doch hat es bereits Produktionsverlagerungen ins Ausland, unter anderem nach Polen, gegeben. Die besten Chancen werden noch Ulm eingeräumt. Dort arbeiten vor allem Entwickler an der neuen, vierten Mobilfunkgeneration LTE. Dorthin könnten vor allem die Entwickler aus München umziehen, von denen es in der Zentrale mehrere Hundert gibt. Nach Angaben von NSN solle auch in die Forschungsstandorte Berlin und Düsseldorf investiert werden. Die Mittel dafür könnten aus der vor kurzem vereinbarten Kreditlinie über 1,3 Milliarden Euro genommen werden.
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