Compliance-Wahnsinn nervt Firmen: Gratis-Kaffee noch ok?
Geschrieben von michimueller - 23. Juli 2012
Seit dem Siemens-Schmiergeldskandal ist der Kampf gegen Korruption in der deutschen Wirtschaft oberstes Gebot. Mit ihren Regeln für gute Unternehmensführung schießen einige Firmen aber übers Ziel hinaus.
Davon können wir wohl alle ein Lied singen.
„Compliance“ heißt das Schlagwort, das Beschäftigte in vielen Firmen in Deutschland inzwischen zur Verzweiflung treibt. Vor allem in kleineren Firmen wissen Mitarbeiter kaum noch, was im Geschäftsverkehr erlaubt ist und was nicht – und ob sie ihre Kunden überhaupt noch zum Kaffee einladen dürfen.
Die Unsicherheit führt nach Einschätzung von Experten dazu, dass viele Firmen übertreiben: Aus Angst vor einem Verstoß gegen die Compliance-Regeln werden Kongresse in möglichst unattraktiven Autobahn-Hotels abgehalten, kleine Werbegeschenke ungeöffnet zurückgeschickt und Wasser statt Wein zum Abendessen gereicht. Ein Medizintechnik-Hersteller wollte seine Kunden bei einer Tagung in Hongkong vorsichtshalber in der Jugendherberge unterbringen, um jeden Anschein einer Lustreise zu vermeiden. Fast jeder Manager kann derartige Anekdoten über den „Compliance-Wahnsinn“ zum Besten geben. Öffentlich will aber kaum jemand darüber sprechen – dafür ist das Thema zu heikel.