Arbeiten ohne Mail?
Geschrieben von michimueller - 31. Juli 2012
In den 70er-Jahren wurde das “papierlose Büro” propagiert – geworden ist daraus nichts, wie wir wissen. Der neueste Trend ist nun das “Arbeiten ohne Mail”, von dem nun an vielen Stellen geträumt wird. Soziale Netzwerke sollen an die Stelle der tausenden Mails treten, die täglich in den Büros hin- und hergeschickt werden.
Noch kann man sich dieses Wechsel in der Praxis nicht recht vorstellen. Allerdings konnte man sich vor 30 Jahren auch nicht vorstellen, dass es heute praktisch keinen Arbeitsplatz mehr gibt, an dem man nicht letztlich am Computer arbeitet. Selbst in Produktionen werden Maschinen heute fast ausschließlich über Tastatur oder Touchscreen gesteuert.
Eine neue Studie des McKinsey Global Institute versucht nun eine Arbeits- und Bürowelt darzustellen, in der Soziale Netzwerke viele Aufgaben übernehmen, die heute noch per Mail erledigt werden. Der Standard berichtet in einem Artikel darüber.
Firmen sollen die menschliche Leidenschaft für soziale Netzwerke für ihre Zwecke nutzen. Denn: Mehr als 1,5 Milliarden Menschen nutzen sie, von fünf Online-Stunden wird eine auf Facebook und Co. verbracht. Von den Unternehmen angewandte “Soziale Technologien” sollen die Leistung gut ausgebildeter Mitarbeiter wie Produktentwickler oder Marketing-Manager um 20 bis 25 Prozent steigern.
Kunden für sich arbeiten lassen
Nicht, dass es diese Vorgehensweise nicht schon gäbe: Mehr als 70 Prozent der 4.200 von McKinsey untersuchten Unternehmen wenden sie aktiv an. Etwa, indem sie mit Usern kommunizieren. So suchen viele Firmen online nach neuen Mitarbeitern, lassen von ihren Kunden mögliche neue Logos bewerten oder neue Produktideen ausarbeiten. Der Hashtag (#) auf Twitter war so eine Innovation. Oder die hydraulischen Mountainbike-Schaltungen der deutschen Firma Acros.
Dabei geht es oft gar nicht um konkrete Erfindungen, wie das Beispiel Texas Instruments zeigt. Der Leiterplattenhersteller lässt seine Produkte vorab online testen, um etwaige Verbesserungsideen vor Markteinführung berücksichtigen zu können. Ganz leger geht Coca Cola mit der Kreativität der Community um. So ließ der Brausekonzern online Fantasie-Getränke mixen, bloß um im Gespräch und somit im Einkaufswagerl zu bleiben.
[...] Durch die Einbettung unserer Arbeitsunwelt in soziale Netzwerke wird das Schreiben von Emails abnehmen. Ob wir es aber schaffen unseren Posteingang um 98 Prozent zu reduzieren, wie es dem IBM-Manager Luis Suarez gelungen ist, darf bezweifelt werden.
Auf der Standard-Seite findet ihr euch einen direkten Link zur Studie des McKinsey Global Institute.