Die Geschichte von Atos und SIS
Geschrieben von lindasu - 14. August 2012
Liebe Kinder, computerwoche.de erzählt euch heute die Geschichte von Atos und SIS.
Es war einmal eine Tochter
Die Siemens Business Services GmbH & Co. OHG (SBS) wird am 1. Oktober 1995 als Tochtergesellschaft der Siemens AG und Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) unter Leitung von Friedrich Fröschl gegründet. Das Unternehmen startet mit 2.100 Mitarbeitern und erwirtschaftet während seines ersten Geschäftsjahres einen Umsatz von einer Milliarde D-Mark. Das Kerngeschäft besteht im Angebot von IT-Dienstleistungen vor allem für die Siemens AG.
Die Tochter hatte aber viele Probleme und wurde von verschiedenen Männer in verschiedene Richtungen geführt
Im Juni 2004 geht Paul Stodden, Nachfolger wird Adrian von Hammerstein, zuvor CEO von Fujitsu-Siemens Computers. Wegen der angespannten wirtschaftlichen Lage streicht SBS bis Ende des Geschäftsjahres 2005 rund 1.000 Stellen. Zudem verpflichtet das Management von Siemens alle Geschäftsbereiche, IT-Services von SBS zu beziehen.
Im September 2005 folgt Christoph Kollatz auf von Hammerstein. Unter seiner Ägide kündigt SBS an, innerhalb von zwei Jahren 1,5 Milliarden Euro zu sparen und 5.400 Stellen zu streichen. Zudem spaltet Siemens seinen verlustreichen IT-Dienstleister SBS auf und verkauft den Geschäftsbereich “Produktnahe Dienstleistungen” (PRS), der für die Wartung von Computern und Servern zuständig war, an Fujitsu-Siemens.
Doch die Probleme wurden nicht gelöst, also wurde beschlossen, der Name der Tochter zu ändern.
Siemens entschließt sich im Jahr 2007, SBS nicht zu verkaufen, sondern mit vier weiteren IT-Sparten unter dem Dach der neu geschaffenen “Siemens IT Solutions and Services” (SIS) zusammenzufassen. Mit SBS werden die Bereiche Program and System Engineering (PSE, Österreich), Siemens Information Systems Ltd. (SISL, Indien), Development Innovation and Projects (DIP, Griechenland) sowie Business Innovation Center (BIC, Schweiz) in der SIS gebündelt. SIS-Vorstand wird der bisherige SBS-Chef Christoph Kollatz.
Als das auch nichts brachte, wurde die Tochter mit einem Mitgift ausgestattet und weggeschickt
Unter der Leitung seines Nachfolgers Christian Oecking wird SIS als GmbH ausgegründet. Im Zuge der Ausgliederung streicht SIS weltweit 4.200 der 35.000 Jobs. Oecking versucht, den externen Vertrieb zu stärken, kann den Umsatz aber nicht wesentlich steigern. Im Jahr 2010 erwirtschaftet SIS einen Umsatz von 3,7 Milliarden Euro. Davon werden mehr als 75 Prozent mit Kunden außerhalb des Konzerns erzielt. In früheren Jahren lag der Umsatz von SIS schon einmal bei 5,4 Milliarden Euro.
Aus Frankreich kam der Bräutigam und vereinigt sich mit der Tochter
Im Dezember 2010 folgt die überraschende Übernahme des kriselnden IT-Dienstleisters Siemens IT Solutions and Services (SIS) durch Atos Origin. Damit schließt der Münchner Konzern endgültig das Kapitel der Kommunikations- und IT-Lösungen aus dem eigenen Haus. Siemens veräußert SIS für eine Gesamtsumme von 850 Millionen Euro an Atos Origin. Nur 186 Millionen Euro zahlt der neue Eigentümer in bar, den Rest begleicht Atos Origin in Wandelanleihen und Anteilsscheinen.
Seit dem 1. Juli 2011 ist Siemens IT Solutions and Services (SIS) vollständig in Atos Origin integriert. Als Zeichen des Neuanfangs gibt sich das verschmolzene Unternehmen einen neuen Namen: Künftig wird es unter der Bezeichnung Atos firmieren. Der Dienstleister beschäftigt nun annähernd 79.000 Mitarbeiter in 42 Ländern und erzielt einen Umsatz von 8,7 Milliarden Euro. Im europäischen Ranking der größten IT-Service-Provider rückt das Unternehmen damit auf Rang zwei hinter IBM vor.
Und sie lebten glücklich und zufrieden …. ?
Edgar Münch sagte
Ich hatte das “Glück”, von Anfang an bei der SBS dabei zu sein. Bei jedem neuen Chef hatte ich das Gefühl, dass wieder alte Sandkastenspiele ausgegraben werden. Leider hat der Wind jede neu erbaute Sandburg bis zum nächsten Tag dem Erdboden gleichgemacht.
Der Geschichte ist nichts mehr hinzuzufügen.