Siemens: Schon wieder ein Sparprogramm
Geschrieben von michimueller - 12. Oktober 2012
Die Münchener Abendzeitung hat ein treffendes Wort für das nun angeblich schon wieder notwendig gewordene Sparpaket: BLAMAGE.
Dass die Finanzkrise und die weltweit mehr schlecht als recht laufende Wirtschaft es nicht einfach macht, einen Großkonzern wie Siemens zu führen, ist unbestritten. Gerade dafür werden Top-Manager aber auch top bezahlt.
Sehr pointiert die Analyse der Abendzeitung München:
Was lief schief bei Siemens? Die Gründe für die Flaute sind nur zum Teil selbst verschuldet, waren aber vorhersehbar. Weil Siemens einen großen Teil seines Geschäfts in Europa macht, trifft den Konzern die Schuldenkrise stärker als beispielsweise den Konkurrenten General Electric. Die Politik ist damit beschäftigt, Finanzlöcher zu stopfen, große Infrastrukturprojekte liegen auf Eis – damit fallen automatisch Umsätze für Siemens weg. Kritiker mäkeln jetzt, Löscher hätte dies vorhersehen und rechtzeitig auf die Bremse treten müssen. Statt dessen investierte Löscher trotz der absehbaren Eintrübung 1,4 Milliarden Euro. Das kann man mutig nennen – oder hanebüchen.
Dazu kamen Patzer: Der Kauf des israelischen Solarunternehmens Solel 2009 erwies sich als Fehler – 231 Millionen Euro mussten jetzt abgeschrieben werden. Bei der Anbindung von Windparks in der Nordsee ans Stromnetz auf dem Festland gaben sich die Siemens-Ingenieure peinliche Blößen. Ein technisches Problem nach dem anderen trat auf. Die Folge: Rund eine halbe Milliarde Euro gingen für die Pannenbekämpfung beim Windstrom drauf. Das alles ließe sich verschmerzen, wenn Löscher volle Auftragsbücher präsentieren könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Allein von April bis Juni brachen die Bestellungen verglichen mit dem Vorjahresquartal um mehr als ein Viertel ein. Wann die Konjunktur wieder ordentlich anzieht, steht in den Sternen – die Zeit der großen Sprünge ist für Siemens vorerst vorbei.